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Kurt Ludwigs In den 90er Jahren hallte ein gewaltiger Ruf nach Projektorientierung und Projektarbeit durch die deutsche Schullandschaft. Die Idee einer Projektorientierung schulischen Lernens ist nicht neu. Systematisch entwickelt wurde sie vor allem von amerikanischen Pädagogen wie John Dewey ("learning by doing") oder Charles R. Richards zu Beginn des 20. Jahrhunderts und sie erfuhr in dessen letzter Dekade in Deutschland eine Renaissance. In typisch deutscher Gründlichkeit wurde dabei oft über ein pädagogisch sinnvolles Maß hinausgeschossen, indem man Forderungen nach einer Umstrukturierung aller schulischer Lernprozesse zugunsten von Projektorientierung und Projektarbeit stellte und mit der Einführung von Projekttagen oder gar Projektwochen schnell bei der Hand war. Gegen ersteres sprach und spricht u.a. die Bedeutsamkeit von Methodenpluralismus und die Einbeziehung von Aufwand-Nutzen-Relationen, gegen letzteres das Argument, dass man der Arbeit an Projekten etwas Exotisches und Un-Organisches verleiht, wenn man sie in Zeitnischen des Schuljahres (etwa vor den Sommerferien) verdrängt, ihr den Namen einer außergewöhnlichen schulischen Veranstaltung gibt und sie somit aus dem Zentralbereich von Schule, dem Unterricht, entfernt. Was kann Projektarbeit leisten und was ist überhaupt ein Projekt? Ein Projekt kann definiert werden als ein gemeinsames Vorhaben, das einen klaren Anfang hat und in dem innerhalb klarer Rahmenbedingungen (u.a. Ort, Zeit, Material) arbeitsteilig und ergebnisorientiert an Problemlösungen gearbeitet wird, die zu einem eindeutigen und greifbaren Ende führen. Diese Definition lässt die möglichen Vorteile der Arbeit an Projekten für schulisches Lernen klar erkennen: So können kreative Potentiale von Schülern genutzt werden, kooperatives Verhalten geübt und Umsetzungskompetenz erlernt werden, vor allem aber kann eines der obersten Ziele unseres Bildungswesens, die Erziehung zur Selbstständigkeit, gefördert werden. Demgegenüber dürfen Risiken nicht verschwiegen werden: Projektarbeit bedeutet einen hohen Planungs- und Steuerungsaufwand, sie belastet das "Tagesgeschäft" und kann zu einer Überforderung der Beteiligten und zu unausgegorenen Ergebnissen und Lösungsversuchen führen; vor allem aber setzt sinnvolle Projektarbeit eine hohe Handlungskompetenz voraus, die die meisten Schüler ohne vorheriges Methodentraining nicht besitzen können. Gerade diese Risiken und Gefahren legen einen dosierten Einsatz von Projektarbeit im Unterricht nahe. Sie nutzt sich dann auch nicht ab und kann unterrichtlich ausgesprochen belebend wirken. Susanne Endler unterteilt in ihrem Buch "Projekt-Management in der Schule" (AOL-Verlag, Lichtenau 2001) die Arbeit an einem Projekt in vier Phasen (vgl. a.a.O., S. 22): Die Definition umfasst u.a. die Klärung des Ziels und die Festlegung des Themas; die Aufgabe der Planung beinhaltet u.a. die Strukturierung des Themas, die Koordination der Aktivitäten und die Klärung der Aufgaben- und Rollenverteilung; bei der Aktion sind u.a. Kommunikations- und Kooperationsprozesse sowie die Suche nach und die Verarbeitung von Informationen und problemlösendes Verhalten von Bedeutung, während beim Abschluss Auswertung und Evaluation im Vordergrund stehen.
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