Präsentieren mit PowerPoint® - viel mehr als nur Spielerei

Kurt Ludwigs

Die Kolleginnen und Kollegen, die wie ich zu Anfang der 80er Jahre ihr Referendariat absolviert haben, werden sich sicherlich noch an Begriffe wie Overlays oder Klapp-Folien erinnern und dabei an manche – aus heutiger Sicht – rührend anmutenden und allzu oft wenig sinnvollen Versuche denken, den Unterricht medial zu bereichern. Der medial durchgeschulte Referendar benötigte ganze Foliensätze, die bisweilen die ärgerliche Angewohnheit hatten, der schweißnassen Hand des angehenden Pädagogen zu entgleiten, zu verschmieren oder sich ganz und gar zu verselbständigen. Selbstverständlich offenbarte dabei manches Tun mehr vordergründigen Medienzauber als wirklich methodisch-didaktisch durchdachtes Handeln; und doch verbarg sich hinter all diesem ein Ansatz, der in seiner Folgerichtigkeit nichts an Aktualität und potentiellem methodisch-didaktischen Nutzen verloren hat.

Dieser Ansatz geht auf ein Verständnis von Didaktik zurück, das Lernen als Konstruktion von Wissen versteht. Mediale Lernumgebungen sollen diesen Konstruktionsprozess der Lernenden unterstützen (Ermöglichungsdidaktik).

Diese Sichtweise hat ihre Wurzeln im Prinzip der Anschauung, das von zentraler Bedeutung für das pädagogische Werk sowohl von Johann Amos Comenius als auch von Johann Heinrich Pestalozzi war und durch vielfältige Möglichkeiten der Veranschaulichung  Lernprozesse optimieren will.

Worum geht es dabei? Ausgangspunkt ist der Gedanke, dass die Präsentation von Inhalten umso effizienter werden kann, je strukturierter sie ist und umso mehr Eingangskanäle sie sich in sinnvoller Weise bedient. Konkret: Will man etwa in einem kurzen Lehrervortrag Sachinformationen möglichst nachvollziehbar und anschaulich präsentieren, so werden neben der Lehrerstimme visuell unterstützte Untergliederungen und Konkretisierungen die Informationsaufnahme erleichtern und die Verarbeitung der vorgetragenen Informationen verbessern. So behalten wir im Durchschnitt 20 % von nur Gehörtem und 30% von nur Gesehenem, aber dafür 50 % von Gesehenem und Gehörtem (vgl. Sabine Dezelski: PowerPoint 2002 Mous Core. Brunn am Gebirge 2001, S. 12).

Hier setzt nun das Präsentationsprogramm PowerPoint® an, das - bei sinnvoller Handhabung - zu einem beträchtlichen pädagogischen Mehrwert führen kann. Dies bezieht sich - neben dem schon erwähnten Lehrervortrag - vor allem auf die Unterstützung von Schülerreferaten durch PowerPoint®-Präsentationen.

Die sinnvolle Handhabung setzt die Beachtung einiger bewährter Regeln voraus (vgl. Sabine Dezelski: PowerPoint 2002 Mous Core. Brunn am Gebirge 2001, S. 14f.):

■ Die Präsentation muss adressatengerecht sein.

Die Präsentation soll in erster Linie ein Hilfsmittel für die Zuschauer sein und ist nicht primär als Leitfaden für den Referenten gedacht.

■ Die Präsentation sollte optische Anker bereitstellen.

Ein konsequent beibehaltener optischer Rahmen erleichtert den Zuhörern die Konzentration auf die Inhalte der Präsentation.

■ Die Texte der Präsentation sollten kurz und prägnant sein.

Stichwörter sind ganzen Sätzen in der Regel vorzuziehen, wobei jede Folie der Präsentation nicht mehr als 5 – 6 Textzeilen enthalten sollte. Beides stellt sicher, dass die Zuhörer nicht durch Lesen vom Vortrag abgelenkt werden.

■ Bilder, Grafiken und Diagramme sollten zur Veranschaulichung benutzt werden.

Bildhafte Darstellungen können das Verständnis komplizierter Sachverhalte erheblich erleichtern und machen - bei dosiertem Gebrauch - den Vortrag anschaulicher und lebendiger

Eine PowerPoint®-Präsentation, die diese Grundregeln beachtet, kann zur Unterstützung eines Schülerreferates in folgender Weise nützlich sein:

● Der Schüler wird gleichsam gezwungen, die für seinen Vortrag wichtigen Inhalte zu strukturieren. Er erfährt dabei die Notwendigkeit, Sachverhalte vor ihrer Vermittlung in eine gedankliche Ordnung zu bringen (Primat der Analyse vor der Synthese).

● Der Schüler wird bei der Gestaltung der einzelnen Folien seiner Präsentation lernen, möglichst prägnant und kurz zu formulieren, indem er Sachverhalte "auf den Punkt bringt".

● Der Schüler wird bei der Benutzung von optischen Elementen Erkenntnisse über den Zusammenhang von textlichen und visuellen Elementen gewinnen.

● Der Schüler wird gestalterisch aktiv, seine Arbeit ist handlungsorientiert und weitgehend selbstgesteuert.

Der sinnvolle Einsatz von PowerPoint®-Präsentationen kann den Unterricht gerade in den Phasen bereichern, in denen es uns um die Förderung von Kreativität und Handlungsorientierung, aber auch um das Üben sprachlicher Präzision und folgerichtigen Denkens geht.